Der Grundschuldbrief

Hallo zusammen,

heute möchte ich Euch einmal etwas über den sog. Grundschuldbrief berichten. Dieser ist beim Immobilienverkauf nämlich ein sehr wichtiges Dokument und ohne Ihn ist der Immobilienverkauf nur über Umwege möglich.

Viele Eigentümer wissen gar nicht, um welch wichtiges Dokument es sich beim Grundschuldbrief handelt. Vor allem beim Immobilienverkauf wird der verlorene Grundschuldbrief zum Problem. Aber es gibt eine Lösung: das Aufgebotsverfahren.

Was ist ein Grundschuldbrief?

Ein Grundschuldbrief ist gleichzeitig eine Urkunde und auch ein Wertpapier. Der Brief sagt aus, dass ein Grundstück mit einem Kredit belastet ist, und er weist die Höhe des Kredites aus. Dieser Kredit wird ins Grundbuch eingetragen und als sogenannte Briefgrundschuld gekennzeichnet. Ausgestellt wird der Grundschuldbrief vom Grundbuchamt. In der Regel verbleibt der Grundschuldbrief bei der Bank, bis der Kredit vollständig abbezahlt wurde.

Warum ist der Grundschuldbrief so wichtig?

Grundpfandrechte erlöschen nicht automatisch mit der Tilgung des Darlehens. Die Löschung einer Grundschuld muss aktiv in die Wege geleitet werden. Dabei muss an dieser Stelle kurz zwischen der Buchgrundschuld und die Briefgrundschuld unterschieden werden. Während die Buchgrundschuld nur im Grundbuch eingetragen ist, wird die Briefgrundschuld zusätzlich in einem Wertpapier verbrieft. Dieses Wertpapier ist der sogenannte Grundschuldbrief.

Die meisten Banken schicken den Grundschuldbrief gemeinsam mit einer Löschungsbewilligung unaufgefordert dem Eigentümer zu, sobald dieser das Darlehen vollständig getilgt hat. Aber genau dann sollte der ehemalige Schuldner nicht nachlässig sein: Legen Sie den Grundschuldbrief nicht unbedacht „irgendwo“ ab und werfen Sie ihn auch nicht weg, denn der Grundschuldbrief ist ein wichtiges Dokument. Vom Prinzip her können Sie ihn mit einem Fahrzeugbrief vergleichen. Das bedeutet: Wer im Besitz des Grundschuldbriefes ist, der hat Anspruch auf die eingetragene Grundschuld. Egal, ob sie bereits an einen früheren Gläubiger zurückbezahlt wurde oder nicht. Gerät der Grundschuldbrief in unbefugte Hände, dann könnte derjenige theoretisch die vollständige Auszahlung der im Grundschuldbrief eingetragenen Schuld plus Zinsen verlangen.

Wie wird die Grundschuld gelöscht?

Für die Löschung einer Briefgrundschuld benötigt der Eigentümer den Grundschuldbrief sowie einen notariell beglaubigten Löschungsantrag. Dieser kann gestellt werden, sobald eine ebenfalls notariell beglaubigte Löschungsbewilligung der Bank vorliegt. Wird dieser Antrag nicht gestellt, bleibt die Grundschuld im Grundbuch stehen.

Immobilienverkauf trotz verlorenem Grundschuldbrief?

Dass der Grundschuldbrief weg ist, fällt vielen Immobilieneigentümern auf, wenn sie verkaufen wollen. Ist ein Immobilienverkauf ohne Grundschuldbrief möglich? Ja, trotz fehlendem Grundschuldbrief kann eine Immobilie verkauft werden. Verkäufer und Käufer sollten dann aber eine Verzögerung von gut sechs Monaten einplanen. Die Eigentumsübertragung im Grundbuch dauert länger, weil der fehlende Grundschuldbrief erst durch ein Aufgebotsverfahren für ungültig erklärt werden muss.

Tipp: Fällt Ihnen der fehlende Grundschuldbrief noch vor dem Termin zur Kaufvertragsunterzeichnung auf, dann informieren Sie schnellstmöglich den Notar. Der Notar kann daraufhin einen entsprechenden Passus im Kaufvertrag aufnehmen und den Käufer über das folgende Procedere neutral aufklären. Bemerken Sie den Verlust hingegen erst nach dem Termin, muss ein neuer Kaufvertrag aufgesetzt und in einem weiteren Termin vor Ort unterzeichnet werden.

Was ist ein Aufgebotsverfahren?

Ist ein Grundschuldbrief nicht mehr auffindbar, muss das zuständige Amtsgericht kontaktiert werden, entweder direkt vom Eigentümer oder vom Notar. Das Amtsgericht leitet das Aufgebotsverfahren ein, indem es den Verlust des Grundschuldbriefes öffentlich bekannt macht und dazu aufruft, einen Anspruch einzufordern. Sollte sich der Grundschuldbrief mittlerweile im Besitz einer dritten Person befindet, muss diese sich innerhalb von sechs Monaten melden. Ist die Frist verstrichen, ohne dass ein Anspruch angemeldet wurde, erklärt das Amtsgericht den Grundschuldbrief für ungültig. Danach kann die Grundschuld aus dem Grundbuch gelöscht werden.

Wie läuft ein Immobilienverkauf mit Aufgebotsverfahren ab?

Wenn Sie Ihre Immobilie verkaufen wollen und feststellen, dass der Grundschuldbrief fehlt (obwohl Sie den Kredit vollständig abbezahlt haben), können Sie folgendermaßen verfahren:

1. Kontaktieren Sie Ihre Bank

Informieren Sie Ihre Bank, dass Sie Ihren Grundschuldbrief nicht finden und bitten Sie die Mitarbeiter um eine interne Recherche. Vielleicht befindet sich der Grundschuldbrief ja doch noch bei der Bank? Sollte der Grundschuldbrief trotz Recherche nicht auffindbar sein, wird die Bank von Ihnen eine eidesstattliche Erklärung fordern, dass Sie den Brief nicht an eine dritte Person weitergegeben haben. Danach erstellt die Bank eine neue Löschungsbewilligung. Erst damit kann das zuständige Amtsgericht das Aufgebotsverfahren einleiten.

2. Informieren Sie den Notar

Informieren Sie den Notar, der den Verkauf abwickeln soll, über den fehlenden Grundschuldbrief. Oft richten Notare dann für die Zahlungsabwicklung ein Treuhandkonto (Notaranderkonto) ein. Mit dem Notaranderkonto soll die Kaufpreisabwicklung beim Immobilienverkauf sicherer gestaltet und Missbrauch verhindert werden. In einem Treuhandvertrag vereinbaren Verkäufer und Käufer zum einen, wann der Kaufpreis auf das Notaranderkonto einzuzahlen ist und zum anderen, unter welchen Voraussetzungen die Auszahlung zu erfolgen hat. Vom Kaufpreis, den der Käufer für den Verkäufer auf das Konto einzahlt, wird im Falle eines fehlenden Grundschuldbriefs die dem Brief entsprechende Summe (oder auch mehr) abgezogen und bleibt so lange auf dem Treuhandkonto, bis der Grundschuldbrief für ungültig erklärt und der Eigentümerwechsel im Grundbuch vorgenommen wurde.

3. Eigentümerwechsel im Grundbuch

Erst wenn der verlorene Grundschuldbrief amtlich für ungültig erklärt worden ist, kann die Grundschuld aus dem Grundbuch gelöscht werden. Diesen Schritt kann der Notar für Sie übernehmen oder Sie erledigen das selbst. Danach lässt der Notar den neuen Eigentümer ins Grundbuch eintragen, und Sie erhalten die noch offene Summe vom Treuhandkonto.

 

Quelle: Focus Online, dpa/Markus Scholz

Zurück

Kraichgau Immobilien GmbH

Carl-Benz-Str. 1 · D-74889 Sinsheim · Telefon +49 7261 97585 100
Telefax +49 7261 97585 105 · 
info(at)kraichgau-immobilien.de
www.kraichgau-immobilien.de · Impressum · Datenschutz

Unsere Öffnungszeiten:
Mo. - Do. 09.00 - 16.00 Uhr, Fr. 09.00 - 15.00 Uhr