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Reisen in Corona-Risikogebiete – Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz während der Quarantäne?

Das alles beherrschende Thema hat gerade in der Urlaubszeit wieder Hochsaison. Die Corona-Fallzahlen steigen. Gründe hierfür sind - unter anderem - auch Urlaubsrückkehrer aus Corona-Risikogebieten. Arbeitnehmer, die aus besagten Gebieten zurückkehren, sollten sich bewusst sein, dass die von der Behörde auferlegte 14-tägige Quarantäne nicht immer auch eine Lohnfortzahlung gemäß dem Entgeltfortzahlungsgesetz durch den Arbeitgeber bedeutet.

§ 3 Absatz 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) besagt:
" Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen............"

Hier ist die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers die alleinige Ursache für die Arbeitsverhinderung.

Was ist aber mit der Lohnfortzahlung während der häuslichen Quarantäne?

Hier gilt zu unterscheiden:

  1. Ist der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt oder lediglich an der Erbringung seiner Arbeitsleistung durch die Quarantänepflicht gehindert?
  2. Ist der Arbeitnehmer gezielt in ein Risikogebiet verreist oder wurde das gewählte Urlaubsziel erst nach Reiseantritt zum „Risikogebiet“ erklärt? 
  • Zu sehen ist ein Flugzeug auf einer Schutzmaske. Der Hintergrund ist orange.

    Der arbeitsunfähig erkrankte Arbeitnehmer in häuslicher Quarantäne:

    Haben sich Arbeitnehmer im Urlaub mit COVID-19 infiziert, haben sie grundsätzlich Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes. Jedoch gelten bei Urlaubsrückkehrern aus Risikogebieten Besonderheiten:

    Kehrt ein Arbeitnehmer aus einem Risikogebiet zurück und erkrankt während der 14-tägigen Quarantänephase, ist die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nicht die alleinige Ursache der Arbeitsverhinderung. Vielmehr liegt die Ursache auch darin, dass ihm untersagt ist, seinen Arbeitsplatz während der 14-tägigen Quarantänephase aufzusuchen und seine Arbeitsleistung zu erbringen. Ob der Arbeitnehmer nun einen Anspruch auf Lohnfortzahlung gegen den Arbeitgeber hat, steht und fällt mit der Frage, ob der Arbeitnehmer gezielt in ein Risikogebiet verreist ist oder nicht.

    Gezielter Urlaub ins Risikogebiet

    Arbeitnehmer, die ihren Urlaub gezielt in einem Risikogebiet verbringen (d. h. bei denen bei Urlaubsantritt bereits feststeht, dass ihr Reiseziel vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet ausgewiesen wurde) und die sich nach ihrer Urlaubsrückkehr für 14 Tage in häusliche Quarantäne „absondern“ müssen, haben keinen Anspruch gegen den Arbeitgeber auf Lohnfortzahlung.

    Grund hierfür ist, vereinfacht gesagt: Keine Lohnfortzahlung für Arbeitsverhinderungen, die der betreffende Arbeitnehmer selbst herbeigeführt hat oder hätte vermeiden können. Wer gezielt Urlaub in einem offiziell als Risikogebiet qualifizierten Land macht, nimmt seine quarantänebedingte Arbeitsunfähigkeit „sehenden Auges“ in Kauf. Im Umkehrschluss kann der Arbeitnehmer vernünftigerweise nicht erwarten, dass ihm der Arbeitgeber für den Zeitraum seines (vermeidbaren) quarantänebedingte Arbeitsausfalls Lohnfortzahlung schuldet.

    Nachträgliche Qualifizierung des Reiseziels als „Risikogebiet“

    Etwas anderes gilt konsequenterweise dann, wenn das Urlaubsziel des Arbeitnehmers erst nach dessen Reiseantritt als Risikogebiet ausgewiesen wird. Hier nimmt der Arbeitnehmer seine quarantäne-bedingte Arbeitsunfähigkeit schließlich gerade nicht sehenden Auges in Kauf.

    Abschließend ist auf Folgendes hinzuweisen:

    Auch wenn Arbeitgeber keinen generellen Anspruch auf Auskunft über den Urlaubsort des Arbeitnehmers haben, sollten Arbeitnehmer den Arbeitgeber über geplante Reisen in ein Corona-Riskogebiet informieren, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht gegenüber den restlichen Mitarbeitern nachkommen muss.

    Anmerkung: Nähere Informationen sind bei den entsprechenen Stellen einzuholen.

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    Hallo, ich bin Diana Leucht

    und arbeite seit 2008 bei der Kraichgau Immobilien GmbH und ich kann nur über das bloggen, was die Verschwiegenheitsverpflichtung zulässt.


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